Wir im Sport
KontaktTopthema: Mindestlohngesetz

Spielgemeinschaften im Sport - Rechtsnatur von Spielgemeinschaften

Die Voraussetzungen für die Bildung und Zulassung von Spiel- und Startgemeinschaften werden ausschließlich von den einzelnen Fachverbänden geregelt.

Spielgemeinschaften im Sport - Rechtsnatur von Spielgemeinschaften

In den letzten Jahren haben viele Fachverbände in ihren Spielordnungen und Wettkampfordnungen die Voraussetzungen für Spielgemeinschaften (in den Ballsportarten) oder Startgemeinschaften (im Schwimmsport und in der Leichtathletik) geregelt. Durch die Einführung von Spielgemeinschaften oder Startgemeinschaften in den Spiel- oder Wettkampfordnungen bieten die Fachverbände den Vereinen die Möglichkeit auch bei einer geringen Anzahl von Sportlerinnen und Sportlern diese in den jeweiligen Spiel- bzw. Altersklassen am Wettkampfsport teilnehmen zu lassen. Viele Vereine kennen jedoch die Voraussetzungen für die Bildung einer solchen Spiel- oder Startgemeinschaft nicht. Auch ist den Vereinen häufig unbekannt wie eine Spielgemeinschaft gesellschaftsrechtlich zu beurteilen ist.

Je nach Fachverband dienen Spielgemeinschaften oder Startgemeinschaften auch der Spitzensportförderung. So gibt es im Bereich des Handballs Spielgemeinschaften bis in den Bereich der Bundesliga. Startgemeinschaften im Schwimmsport und in der Leichtathletik nehmen an Deutschen Meisterschaften teil.

Die Fußballverbände lassen Spielgemeinschaften im Seniorenbereich nur in den unteren Leistungsklassen zu. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen      e. V. genehmigt Spielgemeinschaften in begründeten Ausnahmefällen nur auf der Ebene der Kreisligen (siehe auch Verwaltungsordnung des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen e. V. zur Zulassung befristeter Spielgemeinschaften auf:  www.FLVW.de).

Voraussetzungen für Spiel- und Startgemeinschaften

Die Voraussetzungen für die Bildung und Zulassung von Spiel- und Startgemeinschaften werden ausschließlich von den einzelnen Fachverbänden geregelt.
Die Spiel- bzw. Wettkampfordnungen der unterschiedlichen Fachverbände sehen deshalb auch unterschiedliche Voraussetzungen vor. Die Voraussetzungen sind jeweils bei den Fachverbänden zu erfragen. Aufgrund der Vielschichtigkeit der unterschiedlichen Regelungen ist eine einheitliche Darstellung der Voraussetzungen für die Bildung und Zulassung von Spiel- und Startgemeinschaften nicht möglich. Einige Kernpunkte für die Zulassung von Spiel- und Startgemeinschaften ähneln sich jedoch bei allen Fachverbänden:

  • Die Genehmigung einer Spielgemeinschaft für die Teilnahme am Spielverkehr muss bis zu einem bestimmten Termin schriftlich beantragt werden.
  • Die Zulassung erfolgt in der Regel nur für begrenzte Zeiträume und für bestimmte Spielklassen.
  • Die Regelung der Klassenzugehörigkeit der beteiligten Mannschaften bei Auflösung oder Kündigung der Spielgemeinschaft muss vorab festgelegt sein.
  • Durch die Spielgemeinschaft ist ein Verantwortlicher bzw. Vertreter für den Fachverband zu benennen.
  • Die Haftung für Verbindlichkeiten der Spielgemeinschaft gegenüber dem Fachverband und auch gegenüber Übungsleitern oder Spielern muss geregelt sein.
  • Die Sportler/innen einer Spielgemeinschaft bleiben Mitglieder ihrer Stammvereine.

Neben den Zulassungsvoraussetzungen der Fachverbände für Spiel- und Wettkampfgemeinschaften stellt sich für die beteiligten Vereine auch die Frage, wie die Vereinbarung der an der Spielgemeinschaft beteiligten Vereine rechtlich zu beurteilen ist. Auch gilt es für die beteiligten Vereine zu klären, wer die Spielgemeinschaft rechtsgeschäftlich gerichtlich und außergerichtlich vertritt, wie die Haftung für Verbindlichkeiten der Spielgemeinschaft geregelt ist und was beim Ausscheiden von Gesellschaftern aus der Spielgemeinschaft passiert.

In der Regel bleiben die Mitglieder einer Spielgemeinschaft vereinsrechtlich Mitglied in den jeweiligen Stammvereinen.


Spielgemeinschaft als Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Gesellschaftsrechtlich ist die Vereinbarung über die Bildung einer Spielgemeinschaft eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), geregelt in den §§ 705 ff. BGB. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist der Prototyp der Personengesellschaft. Durch den Gesellschaftsvertrag verpflichten sich die Vereine als Gesellschafter gegenseitig, die Erreichung eines gemeinsamen Zweckes in der durch den Vertrag bestimmten Weise zu fördern.
Eine solche Vereinbarung muss nicht zwingend schriftlich geschlossen werden; auch ein stillschweigender Zusammenschluss reicht aus, um eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts zu begründen.
Um aber spätere Auseinandersetzungen zwischen den Parteien der Spielgemeinschaft zu vermeiden und aus Gründen der Beweisbarkeit der abgeschlossenen Vereinbarung sollte jedoch immer die Schriftform gewählt werden.

In den §§ 705 bis 740 BGB hat der Gesetzgeber das Grundmodell für eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts geregelt.

Der Gesellschaftsvertrag über die Bildung einer Spiel-/Startgemeinschaft  muss zwischen mindestens zwei Vereinen geschlossen werden. Im  Innenverhältnis haben die Parteien eines solchen Gesellschaftervertrages  Rechte und Pflichten. Zu den grundlegenden Rechte und Pflichten gehören:

  • die Verpflichtung die vereinbarten Beiträge zu leisten (§ 706 BGB),
  • die Gesellschafter (also die Vereine) unterliegen einer gegenseitigen Treuepflicht,
  • das Vermögen der Gesellschaft ist Gesamthandsvermögen, über das die Gesellschafter nur gemeinsam verfügen können (§§ 718, 719 BGB),
  • die Führung der Geschäfte der Gesellschaft steht den Gesellschaftern gemeinschaftlich zu; für jedes Geschäft ist die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich (§ 709 Abs. 1 BGB),
  • Änderungen des Gesellschaftsvertrages können nur einstimmig geschehen,
  • für die Verbindlichkeiten der GbR haften alle Gesellschafter mit ihrem gesamten Vermögen als Gesamtschuldner (§ 722 BGB iVm §§ 421, 422 BGB),
  • im Gegensatz zum Verein ist ein Wechsel von Mitgliedern nicht möglich
     

Durch den Gesellschaftsvertrag können die gesetzlichen Regelungen konkretisiert werden, verändert oder ergänzt werden. In dieser Dispositionsmöglichkeit (Möglichkeit von den gesetzlichen Regelungen der §§ 705 - 740 BGB abzuweichen) liegt für die Gesellschafter einer Spiel- oder Startgemeinschaft die Chance die Vereinbarung so zu gestalten, dass sie die Zulassungsanforderungen der jeweiligen Fachverbände erfüllt und im Übrigen auch die Rechtsbeziehungen der Gesellschafter (Vereine) im Innenverhältnis entsprechend den Besonderheiten der Spielgemeinschaft klar geregelt sind. Dazu kann gehören, dass der Gesellschaftsvertrag Regelungen zu den Rechtsbeziehungen im Innenverhältnis, der Geschäftsführung, hinsichtlich der Finanzierung des Spielbetriebs, hinsichtlich der Finanzierung und Nutzung von Sportstätten und Sportgeräten, hinsichtlich der Vertragsgestaltung und Bezahlung der Trainer und für den Fall der Auflösung hinsichtlich der Verteilung von Gewinn und Verluste enthält.

Für die Fachverbände ist in der Regel nur eine Regelung zur Haftung für Verbindlichkeiten gegenüber dem Verband erforderlich. Es muss in der Regel gegenüber dem Fachverband von den Gesellschaftern der Spielgemeinschaft ein vertretungsberechtigter Verein oder ein vertretungsberechtigter Gesellschafter benannt werden, der auch die Haftung für die Verbindlichkeiten gegenüber dem Fachverband übernimmt und der als Ansprechpartner für den Verband zur Verfügung steht.

 

Letzte Änderung: 19.02.2014
Inhalt: Golo Busch

Mein VIBSS

LSB Nordrhein-Westfalen

Meine Region

Wählen Sie ihre Heimatregion

Sammel-PDF

Merkliste

öffnen/schliessen

Aktuelle Umfrage

Wie hätten Sie es gerne?

Wie möchten Sie die Inhalte hier angeboten bekommen?
Digital oder auch als Printversion?

digital reicht mir aus
gerne auch als Printversion
je nach dem, gerne beides
gerne auch als Hörbuch



Unsere Partner

Unser Sponsor

Seite drucken PDF von dieser Seite erzeugen Für die PDF-Ausgabe vormerken Zu den Favoriten hinzufügen Diese Seite weiterempfehlen
© 2014 VIBSS