Mitgliedsbeiträge im Sportverein

Vielleicht sind die Deutschen zu verwöhnt. Verlangen von ihren Vereinen Angebot um Angebot  und höchste Qualität, wollen dafür aber kaum etwas zahlen. Zeit, einmal ein paar Rechnungen aufzumachen.

Kino: locker 8 Euro pro Person, zuzüglich Cola vorher/ nachher. Musikschule: 40, 50 Euro im Monat, Leihinstrument on top. VHS-Kurs: 10 bis 20 Euro im Monat.

Vereinsbeitrag: durchschnittlich zwischen fünf und zehn Euro im Monat. Und oft genug nicht auskömmlich. Merkwürdig, denn die Mitgliedsbeiträge bilden eine sichere finanzielle Bank. Sponsoren können abspringen, Zuschüsse gestrichen werden. Der Mitgliedsbeitrag bleibt als fixe, planbare Einnahme. Dazu muss er immer wieder auf den Prüfstand und eben auch mal nachjustiert werden, wenn es die Vereinsfinanzen verlangen. In der Realität bleiben viele Vereine weit hinter der allgemeinen Inflationsrate zurück. Warum fällt es so schwer, über Geld zu reden? Und notwendige Beitragsanpassungen umzusetzen?

Steigerung des Mitgliedsbeiträge

Damoklesschwert Mitgliederversammlung

In der Regel müssen Beitragserhöhungen durch die Mitgliederversammlung beschlossen werden. Dahin schaffen es manche Kalkulationen gar nicht, weiß Vereinsberater Winfried Pickler, zu groß ist die Angst vor einer Austrittswelle. Mitglieder treten wegen höherer Beiträge aber nicht aus, so ein Fall ist dem Berater noch nicht untergekommen (anderen Beratern übrigens auch nicht, wie die Nachfrage ergeben hat). Dafür braucht es andere Gründe.
Die Erhöhungen bewegen sich ohnehin im verträglichen Rahmen, manchmal geht es um 50 Cent, manchmal um zwei Euro. Im Monat. Pointiert gesprochen: Dafür kriegt das Mitglied gerade eine Cola im Vereinsheim. Ein Tipp des Beraters: „Sprechen Sie nicht von einer Erhöhung um beispielsweise 20 Prozent. Seien Sie konkret: Das Mitglied zahlt im Monat zwei Euro mehr. Das ist leichter für die eigene Tasche nachzuvollziehen.“
Vereine sollten um die Erhöhung werben, transparent und rechtzeitig, rät Pickler: „Der Vorstand verwaltet schließlich fremder Leute Geld.“ Und die Hintergründe darstellen. Legt ein Verein beispielsweise seinen zukünftigen Schwerpunkt auf Fitness und Gesundheitssport, informiert er das Mitglied über deren Personal- und Kostenintensität. Baut ein Verein eine eigene Sportstätte, legt er Zins und Tilgung offen. Die Erfahrung der Berater: Der Ausbau von Qualität wird honoriert. 
 

Zeitgemäße Rechenmodelle

Wie auskömmliche Beiträge errechnet und gestaffelt werden, liegt beim Verein. Sozialtarife räumt fast jeder ein: für Kinder, Familien, Senioren, Bedürftige. Wie zeitgemäß das ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn der Aufwand für Kinderangebote ist gewiss nicht geringer als für Erwachsene, sicher höher. Untersuchungen zeigen, dass der Zugang für Kinder aus bildungsfernen Schichten über geringe Mitgliedsbeiträge nicht geschaffen werden kann – die Offenheit für Sportangebote gewährleistet aber grundsätzlich das Teilhabepaket. Gott sei Dank liegt auf dem Nachweis von sozialer Bedürftigkeit immer weniger Makel: Arbeitslosen oder Rentnern kann leicht ein gerechter Beitrag eingeräumt werden. Die klassische Familienmitgliedschaft dagegen bräuchte eine Überarbeitung: alternative Familienmodelle, Patchworkfamilien fallen da nämlich raus.
Aber wie auch immer der Verein kalkuliert: „Er muss die Beiträge nehmen, mit denen er klarkommt“, sagt Pickler. Daran hängt seine Wirtschaftlichkeit. Angesichts der Wichtigkeit des Themas ein klarer Fall für eine VIBSS-Vereinsberatung.

Text: Nicole Jakobs