Beratung für Vereine – neue Angebote des Landessportbundes


Für die Vereinsberatung hat der Landessportbund insgesamt ein Team von kompetenten und qualifizierten Beratern und Moderatoren ausgebildet. In Informationsgesprächen werden Grundlageninformationen etwa zum Vereinsmanagement vermittelt. Weiterhin werden Vorstandsklausuren abseits des Vereinsalltags unter externer Moderation angeboten und damit zukunftsfähige Konzepte für den jeweiligen Verein entwickelt.
Mit einer längerfristigen Vereinsentwicklungsberatung werden tragfähige Lösungen entwickelt, die zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Vereinsarbeit führen.

Auf dem Platz ist die Welt für 90 Minuten noch halbwegs in Ordnung. Der Traditionsverein hat es sich in der Amateurliga gut eingerichtet. Doch in der Geschäftsstelle sind die dunklen Wolken am Horizont schon lange sehr gut zu erkennen. Die Herren des Präsidiums sind in die Jahre gekommen und glänzen häufig durch Abwesenheit. Ansonsten sprechen Fußball- und Tennisabteilung des beliebten Clubs kaum noch miteinander, die Kassen des Vereins sind meistens leer und die meisten Sportplätze auf der früher so schönen Anlage sind kaum noch zu benutzen. Das Ende ist nah?
Nein, der Landessportbund könnte helfen, den Verein aus der Krise zu führen. Fachberatungen, Vorstandsklausuren und Vereinsentwicklungsberatungen – dies sind die aktuellen Zauberworte des Landessportbundes, der gemeinsam mit der Landesregierung ein „Bündnis für den Sport“ eingegangen ist, um im Rahmen des gemeinsamen „Zukunftsprojektes Sportverein 2015“ nicht nur den gesellschaftlichen Nutzen des Sports mehr als bisher deutlich zu machen, sondern damit vor allem ein Fundament für konkretes Handeln zu bieten.
Dabei ist die jetzt neu entwickelte Beratung für Vereins- und Jugendvorstände als Instrument der Qualitätsentwicklung und als Angebot für die Vereine zu verstehen. Mit dem Ausfüllen eines Antrages auf Vereinsberatung beim Landessportbund ist der verzweifelte Geschäftsführer des Amateurvereins auf dem absolut richtigen Weg. Welche Möglichkeiten und Wege das neue Beratungskonzept für die Vereine bietet, dies soll an dieser Stelle präzise und verständlich aufgeführt werden.

Das gemeinsame Papier von Landessportbund und Landesregierung, die den Vereinen verstärkt „politischen Rückenwind“ bietet, will die Vereine und ihre landesweit mehr als 500 000 ehrenamtlich und bürgerschaftlich engagierten Mitglieder mit neuen Konzepten unterstützen. Angestrebt wird ein partnerschaftliches und engmaschiges Netzwerk der Zusammenarbeit, das den Menschen in den Vereinen zugute kommt. Dabei wird zunehmend darauf Wert gelegt, mit den Vereinsführungen kritisch über aktuelle Vereinsstrukturen und Angebote zu treten. So stellen sich etwa Fragen nach der richtigen Aufgabenverteilung im Verein, nach einer attraktiven Angebotsgestaltung und nach einer zeitgemäßen Beitragsstruktur. Wie werden Mitarbeiter gewonnen, wie kann die Entwicklung im Team verbessert werden oder wie werden zeitgemäße Konfliktlösungen gefunden?

Die Experten des Landessportbundes wollen Antworten auf Fragen geben, die vor einigen Jahren von den Vereinsmitgliedern und Vereinsführungen so noch nicht gestellt wurden. Dass es dabei um mehr geht, als um belehrende Thekengespräche in der „dritten Halbzeit“, machen die Gesprächspartner des Landessportbundes in jedem Fall deutlich. Das neue Beratungskonzept findet im Rahmen von VIBSS, dem neuen Vereinsinformations-, Beratungs- und Schulungssystem des Landesssportbundes, seine Umsetzung. Eine zunächst sehr theoretisch klingende Abkürzung, hinter der sich allerdings eine große Vielfalt an Aktivitäten verbirgt, mit denen man das Vereinswesen des Landes stärken und für die Zukunft fit machen will.
Bevor ein beim Landessportbund erhältlicher Antrag auf kostenlose Vereinsberatung ausgefüllt wird, soll hier an einem konkreten Beispiel deutlich gemacht werden, wie das neue Konzept mit Direktberatung, Fachberatung, Vereinsentwicklungsberatung und Vorstandsklausuren vor Ort den besonderen Problemen und Anforderungen der Vereine gerecht wird.

Nennen wir den Sportclub VFL Musterverein e.V., der in einem Stadtteil mit 6000 Einwohnern als Sportverein mit mehreren Sparten über etwa 1150 Mitglieder verfügt. Das Vereinsleben in den jeweiligen Abteilungen – Fußball, Tennis, Einrad, Freizeit und Kampfsport – ist rege. Die Bereiche Fußball und Tennis besitzen eigene Vereinsheime mit jeweils eigenen Gastronomie-Betrieben. Doch die Welt ist durchaus nicht so heil, wie es scheint.
Aufgrund verschiedener Probleme und absehbarer Entwicklungen regte das Präsidium eine Wochenend-Klausur unter der Leitung des Landessportbundes an, auch der auch der Gesamtvorstand des Vereins teilnahm. Auf Wunsch der beteiligten Vorstandsmitglieder wurde dann im Anschluss an diese Veranstaltung ein Antrag auf Prozessberatung gestellt, dem der Landessportbund NRW nach eingehender Prüfung stattgab.
Folgende Probleme des Vereins waren dann Gegenstand der Diskussion und Beratung: Es gab keinen Geschäftsführungsspielraum für das Präsidium. Dafür handelten die jeweiligen Abteilungen des Vereines, die eine eigenständige Finanzhoheit genossen, in eigener Regie. Weiterhin fiel das dreiköpfige Präsidium aus persönlichen Gründen kurzfristig aus. Die Aufbauorganisation und Vereinsfassung war überdimensioniert und eine abteilungsübergreifende Jugendarbeit fand nicht statt. An der internen Kommunikation haperte es und Sportstätten drohten wegzufallen. Zudem wurden schwindende finanzielle Mittel festgestellt. Die Experten des Landessportbundes waren gefragt.

Nach entsprechender Begutachtung und Bearbeitung wurde dann für den Verein eine umfassende Zielvereinbarung zusammengestellt. Zu den Verbesserungsvorschlägen gehörten die Entwicklung eines vereinseigenen Jugendsportmodells, eine Optimierung der Aufbauorganisation und eine Verbesserung der internen Kommunikation. Weiterhin wurde vorgeschlagen, den Bereich „Sport für Ältere“ zu stärken. Nach intensiver Diskussion mit den Betroffenen, die nicht nur mal eben auf den Stehplätzen mit Frikadellen und Bierchen in der Halbzeitpause stattfand, wurden dann klare Regeln für eine Prozessarbeit festgelegt, um möglichst erfolgreiche Ergebnisse zu erzielen. Dies mag zunächst bürokratisch und etwas theoretisch klingen, ist aber in jedem einzelnen Punkt sinnvoll und durchdacht. Um den Verein organisatorisch wieder auf die Beine zu bringen, wurde für die gemeinsame Prozessarbeit mit den Beratern des Landessportbundes folgende Aufgabenstellung für den Verein formuliert:
Festlegung und namentliche Benennung eines Projekt-Teams, Benennung eines verantwortlichen Projektleiters, die Bildung von Projekt-Gruppen und die regelmäßige Prüfung der jeweiligen persönlichen Fähigkeiten und Belastungsgrade.

Wie man sieht, geht das organisatorische Rüstzeug weit über die Kenntnisse des Fußball-Lateins und über die Regelschule für Tennislehrer hinaus, die sich nun als mögliche Mitglieder einer Projektgruppe mit folgenden Aktivitäten auseinandersetzen müssen:
Abschluss einer vereinsinternen Klausur-Zielvereinbarung, einer Vereins- und Standortanalyse, der Erarbeitung eines Visionskonzeptes „VFL Musterverein im Jahr 2015“ und einer umfassenden Projektdiskussion und Vorbereitung der als wichtig festgestellten Vereinsprojekte.

In Wochenend-Klausuren, Workshops und Besprechungsterminen können weitere Diskussionen erfolgen.
Neben der Sicherung der bereits aktivierten Konzepte sind noch eine Reihe von Aufgaben zu erledigen, um den Verein nachhaltig überlebensfähig und modern zu gestalten. Zu den nun bereits formulierten Aktivitäten gehören:
Eine Konzepterstellung zur Mitarbeiterentwicklung- und Gewinnung, die kooperative Einbindung des Sportvereins in das soziale Gefüge des Ortes, ein Konzept für Sponsoren, die Gestaltung der Geschäftsstelle als Dienstleistungszentrum und ein Gebäudemanagement für alte und neue Sportstätten. Insgesamt soll eine Professionalisierung der Arbeitsweise erreicht werden.

Schließlich ist dann als Projektresultat das Grundlagenpapier „VFL Musterverein – Vereinszukunft entwickeln und gestalten“ fertiggestellt und dient als Grundlage und Organisationshilfe für den weiteren Vereinsentwicklungsprozess. Das Projekthandbuch für das Projekt Jugendsportmodell ist ebenfalls fertiggestellt und die ersten organisatorischen Vorbereitungen laufen in enger Anbindung mit dem ortsansässigen Jugendbegegnungszentrum. Gemeinsame Sportkurse und Veranstaltungen stehen an. Für die Breitensportabteilung wurde das Konzept für Sport und Gesundheit erstellt.

Insgesamt sollte jetzt die Kommunikation innerhalb des Vereins verbessert sein, der damit wieder schlagkräftig und im Kern modernisiert in die Zukunft blicken kann. Die Vereinsverantwortlichen haben frühzeitig erkannt, dass verschiedene Entwicklungen im Verein und nicht zuletzt die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen weitreichende Auswirkungen auf die zukünftige Vereinsentwicklung haben werden. Insbesondere die nachlassende Bereitschaft zu ehrenamtlicher Mitarbeit, die in früheren Zeiten die Grundlage für die Vereinsarbeit bildete, dürfte dabei immer mehr Kopfzerbrechen bereiten.

Zuletzt sollte die Prozessberatung eine stimulierende Wirkung ausgelöst haben und innerhalb des Vereins zusätzliche Kräfte freigesetzt haben.
Wer nun überzeugt worden ist, sich den Rat der Experten des Landessportbundes einzuholen, um seinen Verein schlagkräftig für die Zukunft zu machen, für den gibt es hier nun noch einmal eine Zusammenfassung der Beratungsangebote:
Bei einer Direktberatung des Landessportbundes werden die Fragen zu einem Problem sofort analysiert und beantwortet.

Wer an einer eingehenderen Fachberatung teilnehmen will und die Kenntnisse der Berater zu unter anderem Steuerfragen, Vereinsmarketing oder Rechtsfragen in Anspruch nehmen will, der kann sich an die VIBSS-Servicecenter des Landessportbundes, oder an die vor Ort ansprechbaren Stadt- bzw. Kreissportbunde wenden.
Wie schon berichtet, können Rat suchende Sportliebhaber und Vereinsvorsitzende auch an einer längerfristigen Prozessberatung teilnehmen, ohne sich dabei von diesem etwas theoretischen Begriff schrecken lassen. Für alle Prozessberatungen müssen Anträge gestellt und Vereinsfragebögen ausgefüllt werden. Diese können alle Vereine über das Service-Center abrufen.

Wirksam und intensiv bei der Beratung der Vereinsvorstände sind immer noch Vorstandsklausuren vor Ort. Jenseits alltäglicher und sportlicher Routine können die Vorstandskollegen des Vereins hierbei wichtige Themen in Ruhe besprechen, den Teamgeist fördern und sich gleichzeitig fortbilden. Bei dem Versuch, vereinsinterne Probleme zu lösen und gleichzeitig neue Perspektiven für den Verein zu entwickeln, sollte ein fachkundiger externer Berater dabei sein.