Die 9 pädagogischen Handlungsfelder
Die Sportjugend NRW legt ihrem Verständnis von sportlicher Bildungsarbeit 9 pädagogische Handlungsfelder zugrunde, in denen Übungsleitungen, Trainer*innen und andere Vereinsverantwortliche bei der Gestaltung von Bewegung, Spiel und Sport für Kinder und Jugendliche im Sportverein Schwerpunkte setzen können.
Die passenden Stundenbeispiele zu den Handlungsfeldern finden sie über die Suche
Handlungsfeld "Bewegung, Spiel und Sport"
In diesem Handlungsfeld geht es sowohl um die Erschließung der Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur, als auch um die Vermittlung der nicht-formellen Bildungsaspekte. Hierzu sollten Übungsleiter*innen und Trainer*innen über ein allgemeines Wissen über Jungen und Mädchen verfügen. Darüber hinaus besitzen sie sportartspezifische und -übergreifende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, um ein zeitgemäßes didaktisch-methodisches Konzept in diesem Bereich umzusetzen.
Handlungsfeld "Förderung von Kreativität"
Heutzutage strömen immens viele Eindrücke auf die Kinder ein. Umso wichtiger ist es, den Kindern durch einen guten methodischen Rahmen Gelegenheiten zu geben, mit allen Sinnen wahrnehmen zu lernen, ihre inneren Bedürfnisse aktiv ausdrücken und kreativ werden zu können. In den Bereichen:
- Tanzen und Darstellendes Spiel
- Bewegungstheater und Clownerie
- Akrobatik und Zirkus
- Singen und Musizieren
- Werken und Gestalten- Feste und Fahrten
können die Kinder und Jugendlichen je nach Interesse im Sportverein kreative Erfahrungen sammeln. Angebote, die zur Kreativität anregen, fördern das ganzheitliche „Beweglich-Sein“, die schöpferische Gestaltungskraft und das Selbstvertrauen von Kindern und Jugendlichen.
Handlungsfeld "Gesundheitsförderung"
Die Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen zu fördern heißt, sie beim Erwerb und bei der Erweiterung von Fähigkeiten und Kompetenzen zu unterstützen, um ihr alltägliches Leben bewältigen zu können. Beiträge dazu sind:
- Erhaltung und Verbesserung einer allgemeinen körperlichen, psychischen und sozialen Leistungsfähigkeit
- Vermeidung von Krankheiten im Kindes- und Jugendalter
- Verbesserung der organischen Funktionsfähigkeit und der Lebensqualität
- Entwicklung einer individuellen Gestaltungsfähigkeit von Gesundheit
- Stärkung des Selbstwertgefühls
Kinder und Jugendlichen benötigen außerdem Sachinformationen, um über dieses Wissen ein eigenes Gesundheitsverhalten zu entwickeln.
Handlungsfeld "Mitgestaltung, Mitbestimmung und Mitverantwortung"
„Mitgestaltung“ im Sportverein heißt, dass Kinder und Jugendliche eigene Ideen realisieren können, zum Beispiel bei einem Vereinsfest oder in einer Übungsstunde.
„Mitbestimmung“ ist vom Begriff her weitreichender. Mitgestaltungsmöglichkeiten sind hier bereits fest geregelt und institutionalisiert. Zum Beispiel übernehmen Jugendliche regelmäßig den Abschluss von Trainingsstunden oder die Eigenständigkeit der Jugendkasse ist durch die Jugendordnung festgelegt.
Möglichkeiten der Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen ergeben sich bei Training und Wettkampf, im außersportlichen Aktionsfeld der Sportvereine, bei der Mitarbeit von jungen Menschen im Trainingsbetrieb oder im Jugendvorstand sowie als Interessensvertreter/-innen auf kommunaler bzw. auf Landesebene.
Handlungsfeld "Nachhaltigkeit"
Das Aufkommen von Trendsportarten begründen die Auseinandersetzung mit dem Zusammenhang von Sport und Umwelt in besonderer Weise. Eine der Trend-richtungen geht vom Indoor- zum Outdoor-Sport.
Eine zentrale Aufgabe der Umweltbildung vor allem in den Natursportarten ist es, die Kinder und Jugendlichen für die Schönheit und Einmaligkeit von Natur und Umwelt zu sensibilisieren. Nur wenn diese erfahren und positiv erlebt und bewertet werden, besteht die Chance, dass Kinder und Jugendliche komplexe Naturvorgänge verstehen und sich mit ihren negativen und bedrohten Seiten auseinanderzusetzen wollen. Auf dieser Grundlage besteht die Bereitschaft sich an Aktivitäten des Sportvereins zu beteiligen, wie zum Beispiel:
- Planung und Durchführung eines Ökoprojekts
- Anwendung eines Ökochecks bei Großveranstaltungen
- Planung und Durchführung von naturkundlichen (Rad-, Kanu-) Wanderungen
Handlungsfeld "Politische Bildung"
Es setzt sich zunehmend das Bewusstsein durch, dass es wichtig ist, die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern. Bezogen auf Bewegung, Spiel und Sport ist es notwendig, als Übungsleiter/-in und Betreuer/-in von Jugendgruppen bei der Gestaltung einer Sportstunde oder-freizeit immer auch einen geschlechtsspezifischen Blickwinkel einzunehmen.
Die Koedukation ist in die Kritik geraten, da sie in der Praxis oftmals auf Kosten der Mädchen stattfindet und die Jungen begünstigt. Trotzdem liegen in gelingender Koedukation besondere Chancen, wenn Mädchen und Jungen prinzipiell gleichgestellt sind und gemeinsam lernen, selbstständig und selbstbestimmt zu handeln.
Handlungsfeld "Risiko und Wagnis"
Ein reflektierter Umgang mit Wagnissen und Sicherheitsrisiken sind wichtige Grundlagen für kompetentes und selbstverantwortliches Handeln bei Bewegung, Spiel und Sport und im Alltag. Die Förderung des Umgangs mit Wagnissen und Sicherheitsrisiken bei Bewegung, Spiel und Sport zielt auf die Entfaltung von Ressourcen und die Entwicklung von Kompetenzen.
Um sicherheitsorientiert handeln zu können, müssen Kinder und Jugendliche Selbstkompetenz, Sachkompetenz und Sozialkompetenz erlangen.
Vielfältige Bewegungserfahrungen sind Grundlage für einen reflektierten Umgang mit Wagnissen und Risiken bei Bewegung, Spiel und Sport und im Alltag. Dazu müssen Kinder mit allen Sinnen Bewegungsmöglichkeiten erkunden, entdecken, erkennen und erleben. Wahrnehmungs- und andere Spiele, Geräteparcours und Bewegungsbaustellen, Herausforderungen an die Reaktions- und Entscheidungsfähigkeit, balancieren, rollen, richtig fallen oder gleiten und fahren zu trainieren sind Schlüsselfähigkeiten für dieses Handlungsfeld.
Handlungsfeld "Selbstkonzept"
Kinder und Jugendliche können im sportlichen als auch im außersportlichen Bereich in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden. Ein positives Selbstwertgefühl wirkt sich günstig auf die jugendliche Entwicklung insgesamt aus. Diese entwicklungsfördernden Faktoren können Übungsleitung und Jugendleitung zum Beispiel entscheidend begünstigen:
- durch einen partnerschaftlichen Führungsstil
- durch das Übertragen von Verantwortung
- durch die Förderung und Würdigen des sozialen und organisatorischen Talents
- durch das Stecken erreichbarer Ziele aller Jungen und Mädchen
Handlungsfeld "Teilhabe und Vielfalt"
Kinder und Jugendliche sollen frühzeitig mit anderen Kulturen und Lebensweisen in Berührung kommen. Dazu bieten sich vielfältige Möglichkeiten an. Zum einen durch den Kontakt zu ausländischen Kindern und Jugendlichen des Vereines oder Vereinsumfeldes, zum anderen durch die Sportpraxis. Sie können dadurch lernen:
- andere Kulturen wahrzunehmen und die eigene Kultur zu reflektieren
- Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen zu entwickeln
- andere Lebensweise als gleichwertig und bereichernd für die eigene Lebensrealität zu empfinden