Spiele im Sport

Mit Spielen kannst du die Inhalte deiner Sportstunde gestalten. Als Übungsleiter*in hast du dabei die Aufgabe, entsprechende Spiele für deine Gruppe auszuwählen, anzuleiten und an die Voraussetzungen deiner Teilnehmer*innen anzupassen. Zu den Bewegungsspielen zählen Kleine Spiele und Große Sportspiele. Kleine Spiele wie Kettenfangen unterscheiden sich von Großen Sportspielen – wie Handball, Basketball oder Volleyball – insbesondere hinsichtlich der Komplexität des Regelwerks sowie ihrer geringeren Spielanforderungen. Kleine Spiele verfügen über ein überschaubares und nicht festgeschriebenes Regelwerk. Sie sind daher einfach zu erklären, umzusetzen und zu verändern. Große Sportspiele weisen ein detailliertes Regelwerk mit komplexen Spielhandlungen auf (siehe Tabelle 3).

Große SpieleKleine Spiele
Komplexes RegelwerkEinfaches Regelwerk
Klar festgelegte RegelnVerschiedene Spielversionen mit unterschiedlichen Regeln
Hohe Anforderungen an die Spieler*innenGeringe Anforderungen an die Spieler*innen
Schwierig zu erklären, häufig Vereinfachungen nötigEinfach zu erklären und leicht umsetzbar
Beispiele: Handball, Basketball, VolleyballBeispiele: Kettenfangen, Zehnerball

Tabelle 3: Merkmale Kleiner und Großer Spiele

Spiele planen

Für die Planung von Sportspielen solltest du überlegen, mit welchem Ziel du ein Spiel spielst und welche Rahmenbedingungen wichtig sind.

Ziele von Spielen

Spiele können aus unterschiedlichen Gründen gespielt werden. Werden Spiele als Selbstzweck gespielt, geht es darum, dass das Spielen gelernt wird. Hierbei wird das Spiel nicht genutzt, um ein festgelegtes Ziel zu erreichen, sondern dem Spielen selbst wird ein pädagogischer Wert zugesprochen. Darüber hinaus kann ein Spiel als Mittel eingesetzt werden, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Ziele deiner Sportstunde können sich dabei auf verschiedene Bereiche beziehen: körperlich, emotional, kognitiv und sozial (siehe Tabelle 4).

KEKS-DIMENSIONZIEL (Beispiel)SPIEL (Beispiel)
körperlichVerbesserung der SchnelligkeitPendelstaffel
emotionalAbbau von StressAtomspiel
kognitivSchulung der Idee des FreilaufensZehnerball
sozialFörderung der KooperationMattentransport

Tabelle 4.: Beispiele für Spiele zu den verschiedenen KEKS-Dimensionen

Spiele erklären

Bevor ein Spiel gestartet werden kann, müssen alle Spieler*innen das Spiel verstanden haben. Damit dies gelingt, kannst du zwei Vorgehensweisen der Spielerklärung nutzen:

  • Kompakt-Aufbau: Alle Erklärungen zum Aufbau und Ablauf erfolgen vor Beginn des Spiels an einem festen Ort, der nicht der Spielort ist.
  • Kompensatorischer Aufbau: Alle notwendigen Aufbauten (Spielfeld, Material) erfolgen schrittweise. Die Spieler*innen befinden sich bereits auf ihren Spielpositionen, wenn der Ablauf erläutert wird.

Beachte die folgenden Grundsätze der Spielerklärung, damit du in deinen Sportstunden die Spiele strukturiert und klar erklärst. Mithilfe dieser Vorgehensweise kannst du Unklarheiten bei deinen Sportler*innen vorbeugen. Grundsätze der Spielerklärung:

  • Titel
    Wie heißt das Spiel?
  • Ziel
    Worin besteht die zentrale Spielidee bzw. das Ziel des Spiels?
  • Aufbau
    Wie viele Spieler*innen gibt es pro Team? Welche besonderen Spielrollen sind zu vergeben (z. B. Fänger*in)? Auf welchem Spielfeld soll gespielt werden? Wie wird das Spielfeld sichtbar markiert? Welche Materialien werden benötigt?
  • Ablauf
    Welche Aufgaben müssen von wem bewältigt werden? Welche Regeln gibt es? Was ist erlaubt / nicht erlaubt? Was passiert bei Regelverstößen?
  • Beginn und Ende
    Wie wird das Spiel gestartet? Wann ist das Spiel beendet?
  • Sicherheit
    Wo können Gefahren entstehen (z. B. Laufwege)? Wie können diese im Vorfeld entschärft werden?
  • Klärung offener Fragen
    Welche Fragen gibt es von den Teilnehmer*innen?

Sicherheitshinweise sind bei der Planung von Spielen ebenfalls zu berücksichtigen –insbesondere folgende: Bei Lauf- und Ballwegen muss auf ausreichende Sicherheitsabstände zwischen Spielfeldabgrenzung und Wand geachtet werden. Zudem müssen die Mit- und Gegenspieler*innen sowie die Spielfeldmarkierungen deutlich erkennbar sein. Nicht verwendetes Material sollte in einem Sammelbehälter aufbewahrt werden. Die Übungsleiter*in hat zudem die Aufgabe, auf eine konsequente Einhaltung der Spielregeln zu achten.

Spiele durchführen und verändern

Spiele um etwas sind besonders beliebt, stellen dich als Übungsleiter*in aber durch ihren Wettkampfcharakter vor Herausforderungen. Solche Spiele funktionieren nur dann, wenn drei Bedingungen für wettkampforientierte Spiele erfüllt sind:

  • Prinzipielle Ergebnisoffenheit und Chancengleichheit,
  • Gewährleistung von Spielfluss,
  • Möglichkeit für alle Spieler*innen, sich gleichermaßen sinnvoll zu beteiligen.

Als Spielleitung hast du somit dafür Sorge zu tragen, dass ein Spiel ergebnisoffen und spannend ist, es wenig Unterbrechungen gibt und alle Spieler*innen zum Ausgang des Spiels beitragen können. Hierzu musst du das Spiel aus einer günstigen Position beobachten, für Regeleinhaltung sorgen und bei Spielproblemen eingreifen.

Spiele verändern

Unterschiedliche Voraussetzungen in deiner Gruppe werden bei wettkampforientierten Spielen besonders sichtbar und führen häufig dazu, dass ein Spiel nicht wie geplant funktioniert. Die Berücksichtigung dieser Heterogenität spielt somit für das Funktionieren eines Spiels eine entscheidende Rolle. Trotz sorgfältiger Planung ist jedoch oft erst während der Durchführung eines Spiels erkennbar, ob und wie sich die verschiedenen Vorbedingungen auf das Spiel auswirken, zum Beispiel in Form von Spielproblemen oder Spielunterbrechungen. In einem solchen Fall musst du das Spiel entsprechend verändern und an deine Gruppe anpassen. Das CHANGE IT-Modell schlägt vor, welche Spielelemente dazu verändert werden können (siehe Tabelle 6).

KATEGORIEERLÄUTERUNG MIT BEISPIELEN
Coaching Style (Vermittlungsstil)

Die Art der Vermittlung von Spielidee und Spielregeln kann verändert werden: 

  • Einfache Sprache (z. B. bildhafte Sprache nutzen) 
  • Visualisierungen (z. B. Aufzeichnen von Spielfeldern und Laufwegen) 
  • Demonstrationen
How to score (Spielwertung)

Die Spielwertung kann angepasst werden: 

  • Veränderung der Größe des Ziels 
  • Veränderung der Distanz zum Ziel
  • Veränderung der Anzahl der Ziele mit unterschiedlichen Spielwertungen (z. B. 1 Punkt für das Treffen des Bretts, 2 Punkte für den Ring, Korb etc.) 
  • Verbotszonen für Zielaktionen kennzeichnen 
  • Indirekte Zielaktionen (z. B. über eine Bande)
Area (Spielfeld)

Die Spielfeldgröße, Spielfeldanzahl und Spielfeldaufteilung können angepasst werden: 

  • Veränderung der Spielfeldgröße (kleinere Spielfelder: mehr Spielaktionen, weniger Zeit für Spielaktionen; größere Spielfelder: höhere Laufintensität, mehr Zeit für Spielaktionen). 
  • Bei größerer Spieleranzahl können Spielfelder mehrfach aufgebaut werden.
  • Das Spielfeld in Zonen mit entsprechenden Spielrollen teilen, in denen sich nur bestimmte Mitspieler*innen beider Teams aufhalten dürfen (Teams werden beispielsweise in jeweils drei Gruppen mit unterschiedlichen Spielstärken eingeteilt, z. B. Angriff, Mittelfeld, Abwehr. So spielen Personen mit ähnlichen Voraussetzungen gegeneinander)
Numbers (Spieler*innenanzahl)Die Anzahl der Spieler*innen innerhalb eines Teams kann geändert werden. Geringere Spieler*innenanzahl pro Team führt häufig zu mehr Spielaktionen (Spieleranzahl und Spielfeldgröße bedingen sich).
Game rules (Spielregeln)

Alle Handlungsregeln innerhalb des Spiels können angepasst werden: 

  • Spielhandlungen ersetzen (z. B. körperintensive durch symbolische Handlungen) 
  • Möglichkeiten individueller Bewegung (mit oder ohne Spielgerät) begrenzen oder erweitern 
  • Spielhandlungen verändern (z. B. Fangen des Balls mit einem Markierungshütchen, Fortbewegungsart ändern) 
  • Besondere Regeln für leistungsstärkere (z. B. Werfen ist nur mit der schwächeren Hand erlaubt) oder leistungsschwächere Spieler*innen einführen (z. B. Person darf nicht am Wurf gehindert werden).
Equipment (Spielmaterial)Das Spiel kann so angepasst werden, dass einzelne Personen mehr am Spiel beteiligt sind. Hier sind verschiedene Veränderungen denkbar (z. B. Änderung des Spielfelds in Zonen, Anpassung der Spielregeln, zusätzliche Rollen schaffen, Ziele und Spielwertung verändern).
Time (Zeit) Die Spielzeit oder die Zeit für bestimmte Handlungen (z. B. Ballbesitz-Zeit) kann angepasst werden.

Tabelle 6: CHANGE IT-Modell zur Anpassung von Spielen.

Empfehlungen für die Praxis – Spiele

  1. Plane Spiele in Abhängigkeit deines Stundenziels.
  2. Berücksichtige die räumlichen, materiellen und teilnehmerbezogenen Rahmenbedingungen.
  3. Erkläre Spiele entweder kompakt oder kompensatorisch und gib Sicherheitshinweise.
  4. Achte darauf, dass Spiele ergebnisoffen und wenig unterbrochen sind und alle Spieler*innen zum Spiel beitragen können.
  5. Behalte bei der Durchführung von Spielen immer alles im Blick, sorge für Regeleinhaltung und greife bei Spielproblemen ein.
  6. Nutze das CHANGE IT-Modell, um Spiele zu verändern und an deine Gruppe anzupassen.
  7. Werte deine Spielsportstunde aus.

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Details

Autor*in:
Praxismodul A der C-Lizenz Praxiswissen Sport Für Übungsleiter*innen

zuletzt aktualisiert:
Februar 2025 

Quellen:

Belz, 2023
König, 2022
Teubert & Zobe, 2022
VBG, 2022
Döbler & Döbler, 2021
DGVU, 2017
LeFevre, 2012
Schaller, 2012
Bietz & Böcker, 2009
Lang, 2009
Lange & Sinning, 2008
Australian Sports Commission, 2007
Kolb, 2005
​​​​​​​Kuhlmann, 1986, 2001