Eisenmangel im Sport: Warnzeichen einordnen und Supplemente nicht vorschnell einsetzen
Die vertraute Laufrunde wird plötzlich schwer. Dahinter können ein Infekt, zu wenig Erholung oder Eisenmangel stecken. Wer sofort zu Supplementen, also eisenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln, greift, übersieht womöglich die Ursache.
Eisen bei sportlicher Belastung
Eisen wird für den Sauerstofftransport und die Energiegewinnung benötigt. Bei längeren Ausdauerbelastungen geht Eisen über den Schweiß verloren. Nach einem langen Lauf wurde bei 28 trainierten Personen kurzfristig weniger Eisen aufgenommen als an einem Ruhetag. Ob das die Eisenspeicher belastet, hängt von der Eisenversorgung ab. Zunächst sinken häufig die Eisenspeicher, während der rote Blutfarbstoff Hämoglobin normal bleibt. Sinkt später auch sein Wert, kann eine Blutarmut (Anämie) entstehen, die die Belastbarkeit mindert. Ohne Anämie sind Leistungseinbußen weniger eindeutig nachgewiesen.
Warnzeichen und Risikofaktoren
Müdigkeit und anhaltender Leistungsabfall können auf Eisenmangel hinweisen, aber auch durch Schlafmangel entstehen. Bei einer Anämie kann Kurzatmigkeit unter Belastung hinzukommen. Muskelschmerzen und Verspannungen sind keine typischen Anzeichen eines Eisenmangels; ein spezifischer Zusammenhang ist nicht ausreichend belegt. Ein höheres Risiko haben Menschen mit starker Menstruation, häufig Blutspendende und Jugendliche im Wachstum. Hinzu kommen hohe Ausdauerumfänge, vor allem wenn langfristig zu wenig Energie aufgenommen wird. Vegetarische oder vegane Ernährung verlangt bewusste Eisenquellen, führt aber nicht zwangsläufig zum Mangel.
Blutwerte und Ursachen
Ob tatsächlich Eisen fehlt, sollte ärztlich untersucht werden. Ferritin gibt Hinweise auf die Eisenspeicher, ein Blutbild auf eine mögliche Anämie. Entzündungen können den Ferritinwert erhöhen und einen Mangel verdecken; ein Entzündungswert wie CRP hilft dann bei der Einordnung. Planbare Kontrollen sollten möglichst ohne Infekt und mit Abstand zu hartem Training stattfinden. Notwendige Untersuchungen dürfen nicht verzögert werden. Zu wenig Eisen über die Nahrung, Blutverluste oder eine gestörte Aufnahme im Darm können einen Mangel verursachen. Die Ursache bestimmt die Behandlung.
Eisen über die Ernährung
Eisen steckt in Linsen, Bohnen und Haferflocken, aber auch in Fleisch und Fisch, aus denen ein Teil davon leichter aufgenommen wird. Paprika liefert Vitamin C und verbessert die Eisenaufnahme aus Linsen. Kaffee oder schwarzer Tee zur Mahlzeit können die Eisenaufnahme dagegen hemmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt erwachsenen Männern täglich 11 Milligramm Eisen, menstruierenden Frauen 16 Milligramm. Einen Sportzuschlag nennt die DGE nicht, obwohl der individuelle Bedarf bei hoher Belastung steigen kann. Ausreichend Energie und eisenreiche Mahlzeiten sind deshalb besonders wichtig.
Eisenpräparate und Leistungsfähigkeit
Eisenpräparate gibt es als Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel. Sie sollten nicht auf Verdacht eingenommen werden: Verdauungsbeschwerden sind möglich, zu viel Eisen kann schaden.
Die Wirkung auf die sportliche Leistung ist weniger sicher als die auf Blutwerte. McCarthy und Kollegen werteten 2026 insgesamt 42 Interventionsstudien bei aktiven Frauen aus. In der gemeinsamen Auswertung ausgewählter Studien stiegen unter Eisensulfat die Werte von Hämoglobin und Ferritin, während die separat betrachteten Leistungstests meist keine statistisch gesicherten Vorteile ergaben. Pengelly und Kollegen fanden 2025 Hinweise auf Ausdauervorteile bei hoch trainierten Athletinnen mit Eisenmangel. Die Übersicht umfasste 23 Studien, darunter 16 zur Supplementierung. Für den Breitensport bleiben die Befunde unsicher. Ein bestätigter Mangel sollte dennoch fachlich behandelt werden.
Training im Verein
Niedrige Eisenspeicher ohne Beschwerden erfordern nicht automatisch eine Trainingspause. Bei Anämie oder anhaltender Erschöpfung sollte die Belastung ärztlich abgestimmt werden. Treten Schwindel oder ungewöhnliche Schwäche auf, ist die Einheit zu beenden und die Ursache abzuklären. Brustschmerzen, Ohnmacht oder schwere Atemnot erfordern unabhängig vom Eisenstatus den Abbruch und den Notruf 112.
Übungsleitungen können Leistungseinbrüche ansprechen und das Training vorübergehend erleichtern. Bei Minderjährigen sollten Sorgeberechtigte angemessen einbezogen werden. Diagnose und Präparatwahl sind ärztliche Aufgaben.
Ein Leistungstief braucht Ursachenklärung. Eisenpräparate sind keine Abkürzung.
Details
Autor:
Steffen Don, sportwissenschaftlicher Fachautor
zuletzt aktualisiert:
Oktober 2026
Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
Australian Institute of Sport (AIS)
gesund.bund.de
Studien:
DeRuisseau KC, Cheuvront SN, Haymes EM, Sharp RG (2002). Sweat iron and zinc losses during
prolonged exercise. International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 12(4), 428–437.
https://doi.org/10.1123/ijsnem.12.4.428
Barney DE, Ippolito JR, Berryman CE, Hennigar SR (2022). A prolonged bout of running increases
hepcidin and decreases dietary iron absorption in trained female and male runners. The Journal of
Nutrition, 152(9), 2039–2047. https://doi.org/10.1093/jn/nxac129
McCarthy E et al. (2026). The effect of diet and dietary supplements on iron status of active females: A
systematic review and meta-analysis of interventional trials. Sports Medicine, 56, 2527–2549.
https://doi.org/10.1007/s40279-026-02464-x
Pengelly M, Pumpa K, Pyne DB, Etxebarria N (2025). Iron deficiency, supplementation, and sports
performance in female athletes: A systematic review. Journal of Sport and Health Science, 14, 101009.
https://doi.org/10.1016/j.jshs.2024.101009