Die Maßnahmenhierarchie – So steuern Sportvereine Sicherheit wirksam und vorausschauend

Technischer, organisatorischer und persönlicher Schutz im Sportverein

Die Sicherheit von Mitarbeitenden, Trainer*innen, Sporttreibenden und Besucher*innen ist eine der zentralen Aufgaben jedes Vereinsvorstands. Gerade im Sport – mit dynamischen Bewegungen, wechselnden Bedingungen und Publikumsverkehr – ist der Schutz vor Unfällen und Verletzungen eine dauerhafte Herausforderung.

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Vorstand, Gefährdungen systematisch zu vermeiden und geeignete Maßnahmen für Beschäftigte umzusetzen. Doch welche Maßnahmen sind wirksam? Und warum reicht es nicht aus, einfach „ein Schild aufzustellen“?

Um diese Fragen klar zu beantworten, haben die Berufsgenossenschaften – darunter auch die VBG – die fünfstufige Maßnahmenhierarchie entwickelt. Sie zeigt auf, welche Schutzmaßnahmen die höchste Wirksamkeit haben und welche nur als unterstützende Ergänzung gelten sollten

Die fünf Stufen der Maßnahmenhierarchie – von wirksam zu weniger wirksam

1. Stufe: Technische Maßnahmen – Gefahren beseitigen

Die wirkungsvollste Form der Prävention ist es, Gefahrenquellen direkt zu vermeiden, beseitigen oder deutlich zu reduzieren.

Beispiele:

  • Reparatur defekter Anlagen
  • Austausch beschädigter Geräte
  • Verbesserung baulicher Gegebenheiten

2. Stufe: Sicherheitstechnische Maßnahmen – Risiko abfangen

Wenn ein vollständiges Beseitigen der Gefahr nicht möglich oder nur verzögert, umsetzbar ist, greifen technische Schutzlösungen, die das Risiko zumindest kontrollieren oder verringern.

Beispiele:

  • Technische Absperrungen
  • Provisorische Sicherungen
  • Auffangvorrichtungen

3. Stufe: Organisatorische Maßnahmen – Menschen schützen

Hier wird der Mensch durch organisatorische Regeln und strukturelle Veränderungen von der Gefahr getrennt.

Beispiele:

  • Zugangsregelungen
  • Umorganisation von Abläufen
  • Zeitweise Sperrung von Bereichen
  • Aufstellen von Warnschildern

4. Stufe: Persönliche Schutzmaßnahmen 

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist wichtig – aber sie ist deutlich weniger wirksam als technische und organisatorische Maßnahmen. Sie schützt nur einzelne Personen und setzt voraus, dass sie korrekt genutzt wird.

Beispiele:

  • Schutzhandschuhe
  • Sicherheitsschuhe
  • Helme (bei bestimmten Tätigkeiten)

5. Stufe: Verhaltensbezogene Maßnahmen – Schulung, Information und Hinweise

Dies sind die schwächsten Maßnahmen in Bezug auf die Wirksamkeit. Sie ergänzen technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen, ersetzen sie aber nicht. Die meist kostengünstigen und leicht umsetzbaren Maßnahmen sind abhängig von der Mitarbeit der Beteiligten und daher fehleranfällig.

Praxisbeispiel: Tropfendes Dach in einem Sportraum

In einem Sportraum befindet sich ein Loch im Dach, durch das es hineinregnet. Auf dem Boden entstehen Pfützen – eine Unfallgefahr, weil hier Rutschgefahr besteht.

Stufe 1 – optimal: Dach reparieren

Die Ursache wird beseitigt, das Risiko verschwindet.
➡️ Höchste Wirksamkeit – Ursache behoben

Stufe 2 – interim: Eimer unterstellen und Absperrung anbringen

Wasser wird aufgefangen, der Bereich wird gesichert.
➡️ Wirksam, aber nur als Übergangslösung – Ursache wird nicht behoben

Stufe 3 – organisatorisch: größeres Areal sperren im Extremfall Hallensperrung

Der gefährliche Bereich darf nicht betreten werden. Warnschilder aufstellen
➡️ Wirksam, aber schränkt Nutzung ein – Ursache wird nicht behoben

Stufe 4 – Persönliche Schutzmaßnahmen: in diesem Fall nicht sinnvoll

Rutschfeste Schuhe tragen - hilft in diesem Fall beim Sport nicht weiter.

Stufe 5 – Verhalten: Schulen, dass Bereich nicht betreten werden darf (Verhaltensänderung)

Nur eine Ergänzung – verhindert Unfälle allein aber kaum.
➡️ Niedrigste Wirksamkeit

Kombination sinnvoll

In der Praxis werden Maßnahmen häufig kombiniert:
z. B. Eimer (Stufe 2) + Absperrung (Stufe 3) + Information zur Verhaltensänderung (Stufe 5).

Warum „einfach nur ein Schild aufstellen“ nicht reicht

Das Aufhängen von Warnschildern kann schnell und kostengünstig realisiert werden. Dies entspricht der 3. Stufe in der Maßnahmenhierarchie. Da Menschen Schilder gern ignorieren, übersehen sie oder sich daran gewöhnen, ist die Wirksamkeit von Schildern hinsichtlich Sicherheit eher gering -also kein effektiver Schutz für die Person. Ein so entstehender Schaden durch einen Unfall kann den Verein dann teuer zu stehen kommen, weil nicht der größtmögliche Schutz vorgenommen wurde.

Investitionen in Maßnahmen der anderen Hierarchiestufen sind daher nicht nur sicherer, sondern langfristig auch wirtschaftlicher.

Fazit

Je höher die Hierarchiestufe, desto wirksamer der Schutz.

  • Technische und organisatorische Maßnahmen haben Priorität.
  • Verhalten und PSA sind wichtige Ergänzungen, aber kein Ersatz.
  • Sicherheitsinvestitionen sind Vereinsführung im Sinne der Mitglieder und Beschäftigten.

Wer die Maßnahmen mit dem größtmöglichen Schutz anwendet, schafft ein deutlich sichereres Umfeld für Sporttreibende und Mitarbeitende – und erfüllt gleichzeitig die gesetzlichen Pflichten als Vorstand.

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